Väter in Elternzeit – Man muss sich nur trauen!

Ein Gastbeitrag von Marcel Krüger

Die Karriere der Frau sollte nicht unnötig lange unterbrochen werden (heißt es immer wieder) 
und für die Kinder ist es ja auch nur gut, wenn Väter in Elternzeit gehen und das Kind so eine enge Beziehung zum Papa aufbauen kann. Aber wie ist es eigentlich für die Väter? Ist ein Mann in Elternzeit wirklich ein Mann? Wird er als knallharte Führungskraft akzeptiert oder ist er ein Schlappi, der zu Hause nichts zu sagen hat?

Alles braucht seine Zeit – ja – und ich kenne die genauen Zahlen nicht. Aber Gleichberechtigung sieht für mich anders aus. Und ich glaube, ehrlich gesagt, dass eine längere Elternzeit bei Männern in Führungspositionen noch immer ein Tabu ist. Hinzu kommt, dass Männer ja auch immer noch viel mehr verdienen als wir Frauen in vergleichbaren Positionen, so dass es für einige Familien auch finanziell gar nicht darstellbar wäre, wenn der Papa eine längere Elternzeit (über 2 Monate) anpeilt.

Der Satz ist und bleibt ein Klassiker, wahrscheinlich weil er so verdammt wahr ist: „Wie schnell die Zeit doch vergeht.“ Und genau deshalb habe ich mir schon vor der Geburt reichlich Gedanken darüber gemacht, wie ich meine zukünftige #qualitytime mit Lotta einteilen möchte. Hinter dem sperrigen Begriff „Qualitätszeit“ steht die Einstellung, dass man die begrenzte Zeit, die man miteinander hat, eben sinnvoll nutzt, denn das schönste Geschenk für meine Tochter ist nun mal Zeit und Aufmerksamkeit.

Ich habe mich bewusst dazu entschieden morgens in aller Früh das Haus zu verlassen, um bereits am frühen Nachmittag wieder zu Hause zu sein, so dass ich dann noch 3-4 Stunden Zeit für Lotta habe. Gleichzeitig habe ich meine wöchentlichen Arbeitsstunden reduziert. In dieser Zeit gehört Lotta fast ausschließlich mir und meine Frau kann nach den nicht weniger anstrengenden Stunden zuvor, mal durchschnaufen und die Zeit für sich genießen. Natürlich gibt es Tage, da ist das mitunter nicht immer möglich, so dass man die „verlorene Zeit“ am Wochenende nachholt, sofern man da komplett berufsbefreit ist. Wichtig ist eine gesunde Work-life-balance zu finden und nicht der Frage ausgesetzt zu sein: „Arbeitest Du noch, oder lebst Du schon?“, denn ist das Kind erst einmal auf der Welt, möchtest du ihm auch ein guter Vater sein.

Du denkst also daran, Elternzeit zu beantragen. Ist diese Entscheidung für mich eher eine Chance oder beeinträchtigt sie meine noch junge berufliche Karriere? Keine einfache Frage. Doch es lohnt für jeden von Euch #daddys, sich einmal näher damit auseinanderzusetzen. Du als Vater wünschst dir, viel Zeit mit deinem Kind verbringen zu können. Gleichzeitig bereitet dir die bevorstehende Entscheidung bezüglich der Inanspruchnahme der Elternzeit als Vater Sorgen. Du möchtest in deinem Betrieb nicht als „Hausmann“ gelten, der lieber Windel wechselt, als Entscheidungen zu treffen. Du befürchtest, wichtige Veränderungen im Betrieb nicht mitzubekommen. Deine Karriere droht beendet zu sein, wenn du dich auf die zwei Monate Elternzeit für Väter einlässt. Das sehe ich komplett anders. Die beliebten zwei Monate Elternzeit für Väter, ein absolutes Muss für mich!

Kinder seien Frauensache – meinen immer noch einige Chefs. Väter müssen oft um ihr Recht auf Elternzeit kämpfen. Darüber hinaus wissen die meisten Väter nicht auf was sie achten müssen, wenn Sie Elternzeit beantragen. Das ist zumindest die einzige Erklärung, die ich dafür habe, dass Elternzeit von Vätern immer noch so spärlich genutzt wird, dabei ist es gerade für Väter ist es eine unglaubliche Erfahrung, gerade am Anfang, eine so intensive Zeit mit dem eigenen Kind verbringen zu können. Mein Appell an alle Daddys da draußen, es gibt tatsächlich die Möglichkeit Baby und Beruf in Einklang zu bringen, ohne das eine von beiden Instanzen merklich darunter leidet. Man muss sich nur trauen!


Über den Autor:

Marcel Krüger (34) ist im Internet als Dad_of_Lotta bekannt. Auf Instagram, Facebook und seiner Webseite dürfen die User einen Blick in Marcels Leben als Vater werfen. Ob beim Windelnwechseln, im Zoo bei den Ziegen oder beim Babyschwimmen, Lottas Papa zeigt, wie schön das Leben mit Kind ist.

 

 

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