Blog-Parade: „Was begeistert Sie an Ihrer Vaterschaft?“

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Bild: www.firat-demirhan.de  / AleXa Photography

Normalerweise habe ich keine Probleme meine Gefühle zu beschreiben. Seitdem ich aber Vater bin, und das ist nunmehr ziemlich genau 1 ½ Jahre her, fällt es mir schwerer, meine Emotionen auf Papier zu bringen, die wahrscheinlich nur Väter und Mütter kennen dürften, wenn sie ihr Kind oder Kinder betrachten. Die Seite Väter.nrw hat gerade die Blog-Parade „Was begeistert Sie an Ihrer Vaterschaft?“ gestartet und ruft bloggende Väter dazu auf in einem Posting zu beschreiben, was ihnen die Vaterschaft bedeutet. Und an dieser Blogparade möchte ich mit diesem Beitrag nun gerne teilnehmen.

Bloggender „Proll-Papa“

Zu mir: Mein Name ist Firat Demirhan, ich bin 31 Jahre alt und nebenbei bloggender Vater einer Tochter namens Olivia. In meinem Hauptjob bin ich bei einer Bezirksregierung in NRW als Flüchtlingskoordinator zuständig – ein sehr zeitintensiver Beruf. Dennoch blogge ich quasi als „Nebenjob“ auf der „Väter-Seite“ über Themen, die uns Väter interessieren. Das stern-Magazin hatte mich sogar seinerzeit zum Autor der „längsten und geilsten Ebay-Anzeige der Welt“ gekürt und mir den Namen „Proll-Papa“ verliehen. Eine Ehre, die mit der Veröffentlichung meines Buches im letzten Jahr ihren Höhepunkt fand. Ja, Vater zu werden, kann einen Menschen sehr beflügeln.

Demut & Dankbarkeit

Je älter ich geworden bin, umso mehr gewinnt ein Wort an Bedeutung für mich, erst Recht, seitdem ich Vater geworden bin: Demut. Vaterschaft bedeutet für mich demütig für das Glück zu sein, dass ich tagtäglich erleben und fühlen darf. Liebe. Grenzenlose Liebe. Für meine Tochter, für meine Frau, die mir dieses Glück geschenkt hat, für meine Eltern, die nun Großeltern sind und ihren Job mit Herzblut erfüllen oder die Liebe für unsere Freunde, die mit Worten, Gesten und Kleinigkeiten dafür sorgen, dass das Glück auch weiter anhält.

Gute Zeiten können nur auf schlechte folgen

Ein Sprichwort besagt, dass man gute Zeiten erst zu schätzen weiß, wenn man schlechte Zeiten durchlebt hat. Leider mussten wir diese Erfahrung auch machen. Vor einiger Zeit konnte ich aufgrund meiner chronischen Erkrankung (Morbus Crohn) nur durch eine Not-Op gerettet werden. Mir ist schlichtweg der Darm geplatzt und ich bin erst drei Tage später, als die Schmerzen nicht mehr auszuhalten waren, zum Arzt gegangen. Ich erlitt eine Blutvergiftung, mir wurde ein halber Meter Darm entfernt und was am schlimmsten war, ein künstlicher Darmausgang gesetzt. Ich bin mit dem Leben davongekommen und das Unglaubliche: In dem Krankenhaus, in dem ich fast mein Leben verloren hatte, habe ich fast auf den Tag genau ein Jahr später, mit der Geburt von Olivia, neues Leben in die Welt gesetzt.

Die Geburt öffnet Augen

Vor diesem Hintergrund kann man vielleicht verstehen, wie demütig ich bin, meiner Tochter täglich beim Schlafen zuschauen zu dürfen. Peter Gallagher hat zum Thema Vaterschaft mal etwas sehr Schönes gesagt:

Ehe man eigene Kinder hat, hat man nicht die leiseste Vorstellung davon, welches Ausmaß die eigene Stärke, Liebe oder Erschöpfung annehmen kann.

Ich glaube, dieses Zitat trifft den Nagel auf den Kopf. Leider verbringe ich für meinen Job täglich drei Stunden auf der Autobahn. Das bedeutet, dass ich morgens das Haus verlasse und abends erst Heim komme. Auf dem Heimweg drücke ich öfters das Gaspedal durch, um wenigstens noch eine Stunde mit Olivia verbringen zu können. Ganz ehrlich: Das ist bisweilen Stress pur und wie Peter Gallagher es auch beschrieb: Völlig erschöpfend. Eines entschädigt jedoch für alles: Die Freude in den Augen meiner Tochter zu sehen, wenn ich zur Haustüre reinkomme, sie mich sieht und so schnell wie möglich auf meinen Arm möchte.

Es sind diese Momente, die für mich Vaterschaft ausmachen und mir immer wieder sagen: „Firat, begegne diesem Glück demütig und weiß diesen Moment der Liebe zu schätzen“. Das tue ich. Jeden Tag.

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