Schwangerschaftskurse – Muss das sein!?

Das Anziehen üben an einer lebensechten Puppe. Die Hebamme war zufrieden :)
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„Schatz, wann melden wir uns denn für die Vorbereitungskurse im Geburtshaus an“, fragte mich letztes Jahr meine kugelige Gattin, die sich damals in der 12. Schwangerschaftswoche befand. „Vorbereitungskurs!?“, fragte ich mich, „wofür denn…!?“.

Viele werdende Väter fragen sich bestimmt, ob die Teilnahme an einem Schwangerschaftsvorbereitungs- oder Säuglingskurs wirklich nötig sei. Schließlich gab es das vor 30 Jahren auch nicht, als unsere Eltern mit uns schwanger waren. Und, was ist aus uns geworden? Wir sind auch nicht vom Wickeltisch gefallen und auch ohne Atemübungen haben uns unsere Mütter gesund auf die Welt gebracht. Wofür also an diesen wöchentlichen Kursen teilnehmen, wenn die wichtigsten Fragen eh schon auf YouTube anschaulich beantwortet werden?

Wie bei anderen Paaren aber auch, konnte ich mich Zuhause mit meinen Argumenten nicht durchsetzen. Die eigenen vier Wände mit einer Frau zu teilen, deren Hormone schwangerschaftsbedingt eh gerade verrücktspielen, ist schon nicht einfach. Wenn sich die Holde dazu noch vom Gatten unverstanden oder verärgert fühlt, wählen wir Männer oft den Weg des geringsten Widerstandes bzw. den Weg, der am ehesten körperliche Unversehrtheit verspricht.

So findet man sich schließlich im Kreis sitzend in einem Raum des Geburtshauses wieder und hört sich den Themenfahrplan der nächsten Wochen an, vorgetragen von einer Hebamme und mustert die anderen Kugeligen und ihre Begleiter.

Acht Wochen später weiß ich alles über verschiedene Wickelmethoden, Flaschenernährung und Baby-Unfallverhütung. Ich kann die lebensechten Puppen mittlerweile anziehen, die Windel wechseln und auch baden. Zwei Monate später sind beide Kurse auch vorbei und ich frage mich, warum ich eingangs so negativ an diese Thematik herangegangen bin.

Rückblickend frage ich mich nämlich: Gibt es ein Gegenargument, sich nicht Wissen über die Entwicklung des eigenen Nachwuchses anzueignen? Gibt es ein Gegenargument, sich nicht von einem Profi erklären zu lassen, wie man sein größtes Glück am besten anzieht, wickelt oder trägt? Gibt es ein Gegenargument sich nicht Tipps geben zu lassen, wie man die ohnehin leidende Gattin bei der Entbindung am besten unterstützt? Auf alle Fragen kann ich nur antworten: Nein!

Mir persönlich hat es extrem geholfen, weil es mir schlichtweg Sicherheit gegeben hatte. Früher wollte ich Säuglinge, die mir in die Hand gedrückt wurden sofort wieder zurückreichen, weil ich einfach zu viel Angst hatte, es wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen, weil ich nicht wusste, wie ich das Baby halten sollte.

Zusammenfassend wäre es in meinen Augen kein Weltuntergang gewesen, als zukünftiger Vater diesen Kurs nicht mitgemacht zu haben, weil man nach der Entbindung mit der Zeit selber merkt, wie man den Job am besten macht. Dennoch bin ich im Nachhinein sehr glücklich darüber, mich damals zu den Kursen habe überreden zu lassen, weil ich schlichtweg ein guter Vater werden möchte. Je mehr Wissen ich mir über die Entwicklung meines Kindes Wissen aneigne, umso mehr hilft es mir im Umgang.

By the way: Für die Beziehung mit meiner Gattin war die gemeinsame Teilnahme sehr positiv. Was sie nicht verstanden hatte habe ich ihr im Nachgang erklären können und umgekehrt. Die Kurse haben uns als Mutter und Vater noch mehr zusammengeschweißt und die Vorfreude auf unser Kind sehr gesteigert. Am Ende der Schwangerschaft waren wir Gott sei Dank innerlich so weit zu sagen: „Jetzt kann es losgehen…“

Wie waren eure Erfahrungen bei den Vorbereitungskursen? Habt ihr noch weitere Pro- oder Contra-Argumente? Was habt ihr besonders positiv oder negativ in Erinnerung? Wir freuen uns über eure Kommentare!

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