Die Geschichte des Kinderzimmers

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Bild: Schmidtke, Möbelschau in Berlin, 1952

Wusstet Ihr, dass es vor rund zweihundert Jahren noch gar keine Kinderzimmer gab? Da waren der Dachboden oder das Familien-Schlafzimmer der Ort, an dem die Kinder schliefen. Gespielt wurde draußen oder in der Wohnstube. Erst im 18. Jahrhundert wurden in den Häusern des Großbürgertums erstmals Zimmer für den Nachwuchs eingerichtet. Es waren also die Töchter und Söhne wohlhabender Familien, die zuerst ein eigenes Zimmer bekamen. Allerdings waren es zuerst sogenannte Studierstuben, also Zimmer, in denen die Kinder etwas lernen sollten. Erst mit der Zeit entwickelten sich Kinderzimmer, wie wir sie heute kennen.

Kinderzimmer zum schlafen und spielen

Erst im 19. Jahrhundert beginnen auch weniger wohlhabende Familien Kinderzimmer einzurichten. Es wird üblich, dass die Kinder ein eigenes Zimmer im Heim ihrer Eltern bekommen, in dem sie schlafen und spielen können. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch die Redewendung „Eine schlechte Kinderstube haben“, um auszudrücken, dass jemand schlechte Manieren besitzt.

Erst jetzt ist es üblich, dass Kinder ein eigenes Zimmer zum schlafen und spielen haben. Auch bis richtige Kindermöbel auf den Markt kamen hat es lange gedauert. Bis auf Baby-Wiegen und Laufställe gab es Mini-Möbel nur als Einzelanfertigung. Die erste Firma in Europa, die Kindermöbel tatsächlich in Serie herstellte, war die der Gebrüder Thonet aus Wien. Bereits im Jahre 1885 stellten diese Tische, Bänke und einen Schaukelstuhl für Kinder her. Doch es dauerte bis zu den 1970er Jahren bis Kindermöbel von der breiten Masse gewünscht und gekauft wurden.
 

Bild: Fritz von Uhde

Echte Kindermöbel

In den 70er Jahren wurde der berühmte Hochstuhl Tripp Trapp designt. Dieser höhenverstellbare Stuhl für Kinder, der je nach Größe angepasst werden kann, kam 1972 auf den Markt und hat sich zum Jahr 2006 über fünf Millionen mal verkauft. Er wird seither von der Firma Stokke vertrieben. Ein weiterer Designer, der sich mit einem Kinder-Möbelstück im Jahre 1972 einen Namen machte, war Luigi Colani. Sein Kinderstuhl „Zocker“-Chair wurde bei Kinderlübke ein wahrer Hit.

Heutzutage ist es selbstverständlich, dass Kinder ein Kinderzimmer haben, das schön und altersgerecht eingerichtet ist. Oft ist in heutigen Kinderzimmern ein Hochbett zu finden, da auf dem Boden so mehr Platz zur Verfügung steht. Gerade im Bereich der Hochbetten für Kinder gibt es viele tolle Designs zu entdecken. Von Hochbetten, die wie ein Piratenschiff aussehen über Betten mit Rutsche und Klettermöglichkeiten sind der Fantasie hier keine Grenzen gesetzt. Erst Anfang des Jahres hatten wir Euch Adam aus Vermont (USA) vorgestellt, der seinen Kids aus IKEA-Möbeln ein atemberaubendes Hochbett in Form eines Baumhaus baute.

Die Möbel-Designer haben den Kindermarkt längst für sich entdeckt. Jedes siebte in Deutschland produzierte Möbel war im Jahr 2014 für ein Kind bestimmt, erklärte der Verband der deutschen Möbelindustrie. Von insgesamt 18,2 Milliarden Euro gaben die Deutschen in diesem Jahr 2,4 Milliarden für Kindermöbel aus (worin allerdings auch Möbeleinrichtungen für Kindergärten enthalten sind).

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